Online-Geschäft mit Reisen geht an Österreich vorbei
Größter Teil der Buchungen erfolgt auf deutschen Websites
Das Geschäft mit den Internet-Buchungen von Reisen wird auch in Österreich immer stärker; die österreichischen Verbraucher sind jedoch im europäischen Vergleich eher zurückhaltend. Amadeus, der weltweit tätige IT-Provider für die Reiseindustrie, schätzt den Anteil der Veranstalter-Buchungen über Reiseportale auf etwas über 100 Millionen Euro im Jahr 2007. Das entspricht einem Anteil von etwa 11 Prozent am gesamten Touristikumsatz. In diesen Zahlen sind keine Direktbuchungen bei Hotels und Fluglinien enthalten. Im Vergleich: Durch die hohen Werbeausgaben der Internet-Portale und die Bemühungen der Reiseveranstalter, ihren Direktvertrieb zu stärken, liegt der Online-Marktanteil in Großbritannien schon bei über 40 Prozent.
Die Besonderheit des österreichischen Marktes besteht darin, dass der größte Teil der Buchungen auf deutschen Websites erfolgt: Amadeus schätzt den Anteil der „abgewanderten Buchungen“ auf fast 90 Prozent. Gefragt nach den Ursachen meint Amadeus-Geschäftsführer Wilfried Kropp, dass durch die kräftigen Werbeanstrengungen der internationalen und der deutschen Portale deren Marken viel populärer seien als die der nationalen Reiseunternehmen. Von dem weltweit größten Internet-Portal, dem börsennotierten US-Unternehmen Expedia (Nasdaq: ESPE), ist bekannt, dass der Anteil des Marketings an den gesamten Kosten 35 Prozent beträgt. Österreichische Websites werden dagegen praktisch überhaupt nicht beworben – mit Ausnahme des Neueinsteigers reise-hero.at. Auch das Web-Marketing wird von den großen internationalen Plattformen viel professioneller eingesetzt als von den nationalen Anbietern. „Wer in Google eine reisebezogene Abfrage ab Wien eingibt, erhält fast immer nur Links auf deutsche oder internationale Websites“, bemerkt Kropp. „Die nationalen Unternehmen haben offensichtlich den Wettbewerb um österreichische Internet-Kunden kampflos aufgegeben.“ Der Vergleich mit größeren Märkten in Europa zeigt laut Kropp, dass nationale Marken, wie etwa rumbo in Spanien, vivacances in Frankreich oder weg.de in Deutschland, erhebliche Marktanteile erobern konnten und den Markt insgesamt ausgeweitet haben.
Die großen Online-Player
Der europäische Online-Markt wird von fünf Unternehmen beherrscht. Im ersten Halbjahr 2006 wurden folgende Marktanteile ermittelt:
Expedia 21 Prozent
Lastminute 18 Prozent
Opodo 11 Prozent
Priceline 10 Prozent
Ebookers 7 Prozent.
Alle anderen nationalen Portale kommen gemeinsam auf 33 Prozent Marktanteil.
Quelle: PhocusWright
Die nationalen Player
Unter den nationalen Internet-Reisebüros hält die restplatzbörse, eine Kuoni-Tochter, die führende Position. Auf den Plätzen dahinter folgen die Urlaubsbörse, die Verkehrsbüro-Gruppe mit mehreren Marken sowie STA Travel. Der durchschnittliche Reisepreis einer Web-Buchung beträgt nach Amadeus-Angaben 1.350 Euro. Bei durchschnittlich 2,3 Reisenden pro Buchung errechnet sich ein durchschnittlicher Reisepreis von 587 Euro pro Person. Der österreichische Gesamtmarkt für Veranstalter-Reisen wird auf 1,3 Millionen Personen und 900 Mio. Euro Umsatz geschätzt.
Technik im Hintergrund
Alle Internet-Portale benötigen eine Technik, die sie online mit den Angeboten von Reiseveranstaltern und Airlines verbindet. Diese technische Anbindung wird heute überwiegend von den Global Distribution Systems geleistet, die in ihren Systemen die Reiseangebote bündeln. In Europa hat Amadeus bei dieser Technik die Nase vorn: Mehr als 70 Prozent aller Buchungen auf europäischen Reiseportalen laufen über die Schnittstellen von Amadeus. Durch den Kauf des deutschen Unternehmens Traveltainment AG hat Amadeus einen auf Urlaubsreisen spezialisierten Technologie-Provider erworben. Traveltainment-Lösungen stehen unter anderem hinter den österreichischen Websites von Gulet und der Restplatzbörse.


