Interview mit Holger Taubmann am 27. Juni 2008
Lufthansa / Swiss Vorzugspreisentgelt für Amadeus Buchungen
Liebe Reisebüropartner,
zur Zeit wird im Markt sehr viel über die Auseinandersetzung zwischen Amadeus und der Lufthansa/Swiss geredet. Auf diesem Wege möchten wir Ihnen Informationen aus erster Hand liefern und zeigen, dass wir alles tun, um die diskriminierenden Schritte der Fluggesellschaften für Sie auf ein erträgliches Maß zu bringen.
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen, wie sie das Management und das Sales-Team in den vergangenen Tagen immer wieder gehört haben. Gerne stehen wir Ihnen für weitere Fragen zur Verfügung.
Ihr
Holger Taubmann

Werden Amadeus Reisebüros vom 1. Juli an Vorzugspreis-Entgelte zahlen müssen?
Amadeus hat angekündigt, das Vorzugspreisentgelt von 4,90 Euro zu erstatten, und zwar mindestens bis Ende 2008 oder bis zu einer vorherigen Lösung. Wir werden diese Kosten von Lufthansa und Swiss zurückfordern.
Nach unserem Verständnis müssen Amadeus Reisebüros für Flüge mit Lufthansa oder Swiss, die vom 1. Juli an in Österreich oder Deutschland starten und dort auch ausgestellt werden, ein Vorzugspreisentgelt zahlen.
Amadeus Reisebüros müssen für Flüge mit Lufthansa oder Swiss, die vom 1. Oktober an in der Schweiz starten und dort auch ausgestellt werden, ein Vorzugspreisentgelt zahlen. Es ist möglich, dass einige Schweizer Reisebüros vom 1. Juli an Entgelte für Flüge zahlen müssen, die in Deutschland starten.
Wie lange wird Amadeus die Entgelte erstatten?
Mindestens bis Ende 2008, wenn es das Vorzugspreisentgelt bis dahin gibt. Wir rechnen allerdings damit, noch vor Ende 2008 eine Vereinbarung mit Lufthansa schließen zu können, und werden uns die Situation im vierten Quartal 2008 noch einmal ganz genau ansehen.
Was passiert, wenn es bis Ende 2008 zu keiner Einigung kommt?
Das entscheiden wir, wenn wir im vierten Quartal die Lage analysieren.
Was müssen Reisebüros tun, um an die Erstattung zu kommen?
Damit sie in den Genuss der Erstattung kommen, wird Amadeus die Reisebüros bitten, einen Zusatz zu ihrem Nutzungsvertrag zu unterschreiben. Der genaue Wortlaut wird gerade entwickelt.
Wie wird der Erstattungsprozess genau aussehen?
Zunächst schickt Amadeus den Reisebüros Mitte Juli per E-Mail eine Online-Zusatzvereinbarung. Das Reisebüro bestätigt diese ganz einfach im Amadeus Extranet. Damit wird für jedes teilnehmende Reisebüro ein elektronisches Postfach eingerichtet. Sobald Lufthansa die Rechnungen über BSP-Link an die Büros schickt, legen die Büros die Rechnungsdateien in diesem elektronischen Postfach ab. Die Gutschrift durch Amadeus erfolgt dann bis zur Mitte des Folgemonats.
Erkennen Sie mit der Erstattung nicht die Rechtmäßigkeit des Entgelts an?
Nein, im Gegenteil. Das Entgelt schadet der Wettbewerbsfähigkeit unserer Reisebüros und bürdet ihnen eine große Prozesslast auf. Das passiert nur deshalb, weil Reisebüros sich für Amadeus entschieden haben – und das ist für uns inakzeptabel. Wir werden dieses Geld im Rahmen einer Schadenersatzklage von Lufthansa und Swiss zurückfordern.
Wieviel Geld wird Amadeus denn auslegen müssen?
Sie schätzen die jährlichen GDS-Kosten von Lufthansa und Swiss für Deutschland, Österreich und die Schweiz auf 100 Millionen Euro – das wären 50 Millionen für die sechs Monate bis zum Jahresende.
Wir würden nur ungern über konkrete Zahlen sprechen. Wir glauben aber, dass die Gesamtkosten gar nicht so hoch ausfallen, weil wir hoffen, bis Ende des Jahres zu einer Einigung zu kommen und weil Swiss ihre Entgelte auf jeden Fall erst vom 1. Oktober an erhebt.
Wird Amadeus die “RM*Fee-solution” zur Verarbeitung der Vorzugspreise angesichts der Erstattung noch ausliefern?
Wir haben bislang keine Indikation, dass für ihren Einsatz ein Bedarf besteht.
Wirft Amadeus Lufthansa/Swiss Vertragsbruch vor?
Ja, unsere Verträge mit Fluggesellschaften schließen ausdrücklich die Anwendung diskriminierender Aufschläge aus, wie sie für Amadeus Reisebüros, nicht aber für Reisebüros die mit anderen GDS arbeiten, eingeführt werden sollen.
Amadeus hat überlegt, einige GDS-Funktionen für Lufthansa und Swiss einzuschränken. Welche?
Amadeus stellt Lufthansa eine Reihe von Revenue-Management-Funktionen zur Verfügung, die der Airline helfen, ihre Erlöse etwa durch eine bessere Kontrolle der Verfügbarkeiten zu optimieren. Das sind wertvolle Funktionen für die Airline, für die Reisebüros sind sie aber weitgehend unsichtbar. Deswegen haben wir genau diese Funktionen in Betracht gezogen und keine anderen mit größeren Auswirkungen. Beispielsweise haben wir nicht geplant, das E-Ticketing in Deutschland, Österreich oder der Schweiz abzustellen.
Um welche Funktionen ging es genau?
Darüber möchten wir nicht im Detail sprechen. Es sind aber Funktionen, die minimale Auswirkungen auf Reisebüros haben.
Warum hat Amadeus diese Schritte gegen Lufthansa/Swiss erwogen?
Amadeus hat überlegt, bestimmte GDS-Funktionen für Lufthansa/Swiss einzuschränken, um sie an den Wert zu erinnern, den der Vertriebskanal Reisebüro/GDS für sie hat und gleichzeitig die Störungen für unser Reisebürogeschäft zu minimieren.
Amadeus führt „mehrere rechtliche Auseinandersetzungen“. Worum geht es?
Es tut mir leid, aber das sind im Moment noch interne Informationen. Sobald es uns möglich ist, Ihnen mehr Informationen zu geben, werden wir das tun.
Sind die Mehrheitsgesellschafter von Amadeus, die Finanzinvestoren BC Partners und Cinven, mit Ihrer Strategie einverstanden?
Ja, das sind sie. Beide sind in die Entscheidungen voll eingebunden und teilen unsere Position. Und ja, wir reden über viel Geld. Würden wir aber auf den Vorstoß von Lufthansa und Swiss nicht reagieren, würden wir über noch viel mehr Geld sprechen, das definitiv verloren wäre. Und zwar nicht nur für Amadeus, sondern für die ganze Branche.
Warum eigentlich kann sich Amadeus nicht mit Lufthansa/Swiss einigen?
Amadeus und Lufthansa/Swiss teilen eine lange gemeinsame Geschichte und eine ausgezeichnete Beziehung, die große Teile unserer jeweiligen Geschäftsfelder umspannt. Im Moment konzentrieren wir uns natürlich darauf, die aktuelle Streitfrage zu klären.
Lufthansa und Swiss akzeptieren keine andere kommerzielle Bedingung als die vollständige Kompensation der Buchungsgebühr, um den Aufschlag von 4,90 € für Amadeus Reisebüros zurückzunehmen. Das Entfallen der GDS-Gebühren für Deutschland, Österreich und die Schweiz entspricht einer Summe von rund 100 Millionen Euro pro Jahr.
Lufthansa und Swiss bestehen auch bei einer teilweisen Kompensation von Amadeus darauf, dass die Differenz zum obigen Betrag durch einen diskriminierenden Aufschlag für unsere Reisebürokunden erreicht wird. Wir hoffen, alle verstehen, dass wir diese Bedingungen unmöglich akzeptieren können.
Würde Amadeus sein IT-Geschäft mit Lufthansa als Druckmittel einsetzen?
Nein, ganz und gar nicht. Unser IT-Geschäft mit Lufthansa läuft unter einem ganz anderen Vertrag.
Mit wie vielen Fluggesellschaften hat Amadeus Full-Content-Verträge geschlossen?
73 Fluggesellschaften haben unsere Full Content Option für den europäischen Markt unterzeichnet, 43 davon haben unsere Drei-Jahres-Vereinbarung abgeschlossen. Weltweit gibt es Verträge mit sehr viel mehr Airlines.
Amadeus und Sabre haben einmal einen Vertrag über gegenseitige Content-Nothilfe geschlossen. Wäre der jetzt von Nutzen?
Diese Vereinbarung ist 2007 einvernehmlich beendet worden. Die Frage ist also nur noch von akademischem Interesse.




