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Küss mich - Über einen Prinzen, der in der Krise helfen kann



Die Wirtschaftskrise hat den Reisebüro-Markt in Österreich stark zurückgeworfen. Kann das Internet den Reisebüro-Markt verwandeln und die "goldenen Zeiten" zurückbringen?

Ein tiefer Sturz

Der von Amadeus Austria ermittelte aatix, der Index für Flugbuchungen in Reisebüros, weist für den Juli wieder ein kräftiges Minus aus. Knapp 11 Prozent betrug der Rückgang gegenüber dem Juli 2008. Die Hoffnungen auf ein Ende des Abschwungs, die sich auf den relativ guten Wert des Juni knüpften, haben sich damit nicht erfüllt. Auch die vorläufigen Zahlen der ersten beiden August-Wochen deuten auf eine fortgesetzte Rezession hin. Das kumulierte Minus von Jänner bis Juli beträgt minus 9,5 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum.

Besonders getroffen wurden die Geschäftsreisen. Die Top Ten der österreichischen Geschäftsreisebüros kämpfen im ersten Halbjahr 2009 mit einem Rückgang von 16,2 Prozent. Den Top Ten der Reisebüros, die vorwiegend von Privatkunden frequentiert werden, ging es mit minus 8,6 Prozent etwas weniger schlecht. Basis der neuen Auswertung von Amadeus Austria sind Flugbuchungen in Reisebüros.

Trotz Krise: Es gibt auch Gewinner im Markt. Die wenigen in Österreich tätigen Online-Reisebüros weisen durchweg positive Wachstumsraten auf, wenn auch der Zuwachs kleiner ausfällt als in den Vorjahren. In den ersten sechs Monaten 2009 betrug die Steigerung bei den touristischen Buchungen rund 30 Prozent. Das starke Last-Minute-Geschäft, das erst ab Juli begann, wird nach Ansicht von Experten dafür sorgen, dass sich die hohe Wachstumsrate bis Jahresende fortsetzen wird.

Eines der erfolgreichsten Reisebüros in diesem Bereich ist ebookers, das in Österreich ausschließlich online verkauft und mittlerweile unter den Top Ten der österreichischen Reisebüros rangiert. Auch die neuen Webauftritte der nationalen Player Restplatzbörse (Kuoni) und STA Travel schlagen sich in steigenden Buchungszahlen nieder. Dieser nationale Trend wird übrigens bestätigt durch die Geschäftsergebnisse der globalen Marktführer Expedia, Priceline und Orbitz, die über durchweg hohe Wachstumsraten berichten.

Ohne Internet geht nix

Eine Besonderheit des österreichischen Marktes besteht darin, dass Verbraucher nicht nur bei österreichischen Online-Reisebüros buchen, sondern häufig auch auf deutschen Portalen. Erstmals zeigt eine Analyse von Traveltainment, der für das Urlaubsgeschäft zuständigen Amadeus Tochtergesellschaft, den Umfang des österreichischen Online-Geschäfts inklusive der "abgewanderten" Buchungen nach Deutschland.

Im ersten Halbjahr 2009 wurden von österreichischen Kunden über 35.000 Buchungen über Online-Reisebüros oder Reiseveranstalter abgewickelt, die mit einer technischen Lösung von Traveltainment arbeiten. Der daraus resultierende Umsatz betrug über 40 Millionen Euro. Bei anhaltender Wachstumsrate werden bis zum Jahresende rund 68.000 Online-Buchungen mit einem geschätzten Umsatz von 82 Millionen Euro erwartet. Der Durchschnittspreis pro Buchung beträgt knapp 1200 Euro. Von österreichischen Kunden werden rund doppelt so viele Reisen auf deutschen Websites gebucht als auf österreichischen. Dieses Verhältnis hat sich in den vergangengen beiden Jahren zugunsten der österreichischen Online-Reisebüros verschoben.

Addiert man zu den Traveltainment-Buchungen noch die (geschätzte) Zahl der Wettbewerber, kommt man auf eine Gesamtzahl von cirka 80.000 Online-Urlaubsbuchungen. Das Volumen des gesamten österreichischen Veranstalter-Marktes wir dauf 450.000 (2009) Buchungen geschätzt. Die online-gebuchten Reisen haben damit bereits einen Anteil von 17,8% erreicht. Dieser Wert inkludiert auch die Direktbuchungen auf den Veranstalter-Websites.

Jeder dritte Reisebüro-Kunde hat im Internet vorselektiert

Die reale Bedeutung des Internet-Geschäfts wird aber erst dann deutlich, wenn der so genannte ROPO-Effekt eingerechnet wird. ROPO bedeutet:; Research Online, purchase offline". Damit sind die Kunden gemeint, die ihre Informationen zum Urlaub aus dem Internet holen und mit dieser Vorselektion ins Reisebüro gehen und dort buchen. Thomas J. Golly vom Consulting-Unternehmen Sempora ist der Entdecker dieses Trends. Für den deutschen Markt ermittelte er den erstaunlichen Wert von 31 Prozent von ROPO-Kunden und dieser Anteil wächst seit Jahren. Golly: "ROPO ist der Steigbügel für den Verkauf im Reisebüro." Nur geringe Bedeutung hat der umgekehrte Weg: Beratung im Reisebüro, Buchung im Internet. Hier zählen die Marktforscher nur 7 Prozent Kunden.

Werden beide Buchungskanäle zusammengefasst, also direkte Online-Buchungen und ROPO-Geschäft im Reisebüro, sind rund 46 Prozent aller Veranstalter-Buchungen bereits "internet-indiziert". Wie wertvoll die ROPO-Kunden für Reisebüros sind, belegt eine andere Zahl: Der Durchschnittspreis von ROPO-Kunden liegt um 16 Prozent über dem Marktdurchschnitt, wohingegen die Schnäppchen-Jäger im Internet dafür sorgen, dass der Preis von reinen Online-Buchungen um 26 Prozent unter dem Durchschnitt liegt. Da die ROPO-Kunden vor dem Besuch im Reisebüro sich schon ausführlich vorinformiert haben, erwarten sie im Reisebüro besonders kompetente Gesprächspartner.